Ómodos

File 383Einer der schönsten und wahrscheinlich fotogensten Orte Zyperns ist das 800 m hoch gelegene Weinbauerndorf Ómodos am Südhang des Tróodos-Gebirges. Ómodos hat etwas weniger als 40 Einwohner und ist umgeben von anmutenden Weinbergen. In der ganzen Umgebung gibt es ca. 50 Weingüter, unter denen international prämierte Weinsorten vertreten sind wie z. B. die der Weingüter Agía Mávri (Weißwein) oder Domane Valassides (Rotwein). Am Ortsrand von Ómodos lädt das gut sortierte Weingut Olympus zu Verkostung und Kauf ein.

Doch der Genuss von gutem Wein ist nicht das einzige was Ómodos zu bieten hat. Ganzer Stolz des Örtchens ist das einst um 327 n. Chr. gegründete Timios-Stavrós-Kloster (Kloster des heiligen Kreuzes) im Zentrum des Dorfes. Helena, die Mutter Konstantins des Großen, soll einst auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land diesen Ort für den Klosterbau bestimmt haben, indem sie einige Holzsplitter des Kreuzes Christi, dass sie in Jerusalem gesucht und gefunden hatte, in Ómodos zurückließ. Zusammen mit Teilen des Hanfseils, mit dem Jesus einst gefesselt war, werden diese Splitter in zwei vergoldeten Silberkreuzen verwahrt. Mit diesen christlichen Reliquien zu denen sich außerdem noch der Schädel des Apostels Philippus zählen kann, hat das Kloster von Ómodos das Zeug zum echten Wallfahrtsort. Doch wird es heute von keinem Mönch mehr bewohnt, vielmehr hat man die Schätze innerhalb des Klosters in kleinen Museen und Ausstellungsräumen organisiert. Im ehemaligen Kapitelsaal im ersten Stock des Klosters, der von einer fein geschnitzten alten Holzdecke überragt wird, werden mittelalterliche Ikonentafeln präsentiert. Im Erdgeschoss widmen sich die Ausstellungsräume Geschehnissen der neueren Geschichte Zyperns, im speziellen an die im Untergrund gegen die Briten kämpfende EOKA-Bewegung zwischen 1955 und 1959. Fotos und persönliche Gegenstände erinnern an die Kämpfer, die damals gegen die Briten umkamen.

Verlässt man das Kloster, steht man direkt am hellen, freundlichen Hauptplatz von Ómodos. Auf hellem Pflasterstein sammeln sich kleine Cafés im Schatten von Maulbeerbäumen. In einer Seitenstraße des Hauptplatzes befindet sich das Socrates Tradition House, eine Weinkellerei, in der man den für die Südhänge des Troodos-Gebirges typischen Commandaria-Wein (fast likörartiger Süßwein) verköstigen und kaufen kann. Schon Homer hatte in seiner Odyssee aus dem 7. Jh. v. Chr. dieses süßliche, cremige Gesöff mit seiner goldgelben Farbe hochgepriesen. Im Socrates Tradition House (Öffnungszeiten: Tägl. 10-19 Uhr) werden zudem Ausstellungsstücke aus dem Leben der Weinbauern im 19. Jh. wie Weinpressen, Webstühle oder eine Getreidemühle präsentiert.

Vom Hauptplatz gehen auch die zwei Hauptgassen des Örtchens mit Tavernen, Souvenir- und Kunsthandwerksläden ab. Immer wieder werden Sie auf perfekte Fotomotive stoßen, die die idyllische Welt eines griechischen Weinbergdorfes noch unterstreichen: Hübsch sanierte Häuser in strahlendem Weiß mit typisch blauen Türen und Fenstern, verzierte Balkone mit gepflegtem Blumenschmuck, Korbstühle vor den Eingängen, auf denen gerne heimische Spitzen- und Tucharbeiten angeboten werden, alte Männer oder Frauen vor den Fassaden sitzend als warteten sie nur darauf auf einem Foto verewigt zu werden. Nicht zuletzt hatte die Regierung in der Vergangenheit mit finanziellen Mitteln dazu beigetragen, dass der Ort wieder in seiner alten Schönheit erstrahlt.