Aphrodite-Felsen & Heiligtum

File 302Der Bezirk des ältesten und wichtigsten Aphrodite-Heiligtums des Altertums befindet sich 15 km von Páfos entfernt, in Paläa Páfos (= Alt-Páfos) nahe des Dorfes Koúklia. Pafós gilt als die mythologische Heimat der griechischen Liebes- und Schönheitsgöttin Aphrodite. Wenige Kilometer vom Heiligtum entfernt liegt der berühmte Aphrodite-Felsen Pétra tou Romioú (= Fels der Römer), die Stelle, an der die Göttin aus dem Meer gestiegen sein soll. Die malerische Bucht mit den zwei steil in die Höhe ragenden Felsen ist heute fast jedem Touristen einen Abstecher wert.

File 107Mehrere antike Schriftsteller formulieren die dramatische Geschichte um die Geburt der Göttin mit verschiedenen Abwandlungen. Hesiods Theogonie, eine Erzählung über den Ursprung der Götter (6. Jh. v. Chr.), hat sich dabei weitestgehend durchgesetzt. Gaia (Mutter Erde) wollte sich von ihrem unliebsamen Gatten Uranos (Himmel) trennen, denn dieser pflegte seine unschönen Kinder in den Tartaros, eine noch dunklere Unterwelt unter dem Hades, zu verbannen. Nachdem sie weitere Kinder – die Titanen – heimlich zur Welt brachte, ersann sie eine List, bei der ihr Sohn Kronos dem Vater das Glied abtrennte und es hinter sich ins Meer warf. Dort breitete sich um das unsterbliche Fleisch Schaum aus, aus dem Aphrodite (die Schaumgeborene) hervorwächst. Eine Reise auf dem Schaum bringt sie nach Zypern, wo sie bei Páfos wie eine neue Herrscherin an Land geht und sogleich von den Horen kostbar gekleidet und geschmückt wird. Von nun an folgt sie ganz ihrer Bestimmung, sie liebt und stiftet Liebe, keiner kann sich ihrem Liebeszauber und ihrer Anziehungskraft entziehen, kein Mensch, kein Tier und beinah auch kein Gott.

File 200Seit dem 12. Jh. v. Chr. wird sie von griechischen Einwanderern in Pafós verehrt, die ihr ein großes Heiligtum errichteten (Öffnungszeiten täglich 9-19:30 Uhr). Unzählige Pilger aus aller Welt landeten in der Antike am Hafen von Nea Páfos um das Heiligtum und den Schutz der Göttin zu erleben. Vom großen Aphrodite-Tempel sind heute noch einige Grundmauern sowohl aus der Entstehungszeit als auch späterer Erneuerungen aus römischer Zeit zu sehen. Die Römer überholten den heiligen Bezirk nach einer Naturkatastrophe im 1. n. Chr. und es ist bekannt, dass selbst Kaiser Titus hierher pilgerte.
File 434Weiterhin trifft man auf die Fundamente von Säulenhallen, Reste der Temenos-Mauern und Häusern mit Bodenmosaiken. Nicht der Zahn der Zeit hat dieses Heiligtum weitestgehend weggefegt, sondern die regelrechte Nutzung als Steinbruch ab dem frühen Mittelalter für Häuser oder auch Burgen wie das nahgelegene Chateau de Covocle, das im 13. Jh. unter den Lusignans errichtet wurde. Heute ist hier das Archäologische Museum untergebracht, dass in einer kleinen aber sehr übersichtlichen Ausstellung u. a. den schwarzen Kultstein der Aphrodite, Modelle und viele historische Abbildungen des Heiligtums auf römischen Münzen zeigt.