Archäologisches Museum Nikosía

File 305Außerhalb der venezianischen Stadtmauer von Nikosia in der Nähe des Pafós-Tores in der Victoria Straße befindet sich Zyperns größtes und bedeutendstes Museum für archäologische Funde Zyperns. Seiner Größe und Wichtigkeit wegen wird es vereinzelt auch noch Zypern-Museum genannt (Öffnungszeiten Mo-Sa 9-17 Uhr | So 10-13 Uhr). Der Bau erinnert an einen griechischen Tempel, das Eingangsportal schmücken vier ionische Säulen. Zunächst als private Institution wurde es 1888 gegründet um die ersten archäologischen Artefakte, die während der ersten legalen Ausgrabung unter britischer Hoheit geborgen wurden, zu schützen. Schon bald danach zwang die stetig wachsende Anzahl der Funde die Organisatoren die Räumlichkeiten für die Lagerung und Ausstellung zu vergrößern. Der Ausstellungsbereich besteht heute aus 14 Sälen, die einen quadratischen Innenhof flankieren. Die Funde sind thematisch und chronologisch sortiert:

Saal I zeigt die frühesten Entdeckungen menschlicher Anwesenheit auf Zypern mit Werkzeugen, Figuren und Gefäßen aus Stein aus der Jungsteinzeit. Weiter geht es mit Tongefäßen und Figurinen aus der Kupfersteinzeit, die erstmals das Anbeten von Idolen beweisen. Saal II ist der reichen Sammlung an Gefäßen aus der Bronzezeit gewidmet, während in Saal III Bezug auf die Entwicklung der Keramik aus der mittleren Bronzezeit bis zur römischen Epoche genommen wird.

Einerseits erkennt man, dass Zypern selbst bereits eine reiche Tradition in der Herstellung von Keramik verfolgte. Andererseits bezeugen auch viele Objekte aus Mykene, Attika und Phönizien, teilweise herrliche Fayence-Kleinkunst, das reichlich importiert wurde und der Stil der lokalen Keramik eindeutig beeinflusst wurde. Auf hunderte von Statuen und Tonfiguren, die im archaischen Heiligtum Agia Irini geborgen wurden, treffen Sie in Saal IV.

Saal V zeigt archaische Statuen aus lokalem Kalkstein mit starken bildhauerischen Einflüssen aus Ägypten und Assyrien und zugleich Statuen, die zunehmend den griechischen Einfluss der Klassik wiedergeben. Zum einen werden Körperformen immer realistischer dargestellt, zum anderen arbeitete man nun auch mit Marmor, der aus Attika importiert wurde. Die späte Phase zypriotischer Bildhauerkunst mit hellenistischen und römischen Werken werden in Saal VI ausgestellt, wo vor allem Marmor- und Bronze-Statuen und -Statuetten zu finden sind. In der Mitte des Raumes bildet die Marmorstatue des römischen Kaisers Septimius Severus einen Höhepunkt.

Saal VII ist der Bronze, für dessen Verarbeitung Zypern in der Antike berühmt war, gewidmet. Eine reiche Sammlung an Bronze-Objekten wie Alltagsgeräte der Landwirtschaft, Waffen und Gottheiten zeigt die breite Nutzung dieses Materials. Rekonstruierte Gräber und Sarkophage vom 4. Jt. bis zum 4. Jh. v. Chr. sind die Themen, um die es sich in Saal VIII und IX dreht. Gegenüber davon in Saal X wird ein Rückblick auf die Entwicklung des Schreibens auf Zypern vorgetragen. Angefangen mit der Cypro-Minoischen Silbenschrift, die heute noch immer nicht vollständig entziffert ist, über Proben der Cypro-Silbenschrift bishin zur alphabetischen Schrift. In Saal XI sind Funde aus den reichen Königsgräbern von Salamis wie Fragmente eines mit Elfenbein und buntem Glas verzierten Bettes, Throne und bronzene Dreifußkessel untergebracht.

Saal XII ist der Metallurgie gewidmet und veranschaulicht sehr gut wie sich der Prozess des Bergbaus, der Kupfergewinnung und die Metallverarbeitung auf Zypern entwickelte. Römische Statuen, mit denen das Gymnasium von Salamis ausgestattet war, bilden den thematischen Schwerpunkt in Saal XIII. Und Saal XIV schließlich widmet sich der Herstellung von Tonfiguren angefangen von der frühen Bronzezeit bis zur römischen Zeit in einer thematischen Anordnung.