Choirokoitía

File 308Choirokoitía ist eine der wichtigsten prähistorischen Stätten im östlichen Mittelmeerraum (Mo-So 9-19 Uhr). Unweit der Südküste liegt es zwischen den Städten Lárnaka und Limassol. Die neolithische Siedlung, nunmehr über 9000 Jahre alt, ist nur zum Teil ausgegraben und die Arbeiten dauern fortlaufend an. Für Archäologie-Bewusste ist dies der Himmel auf Erden, zwar gibt es auf Zypern noch mehrere andere Steinzeitsiedlungen, doch ist keine so gut dokumentiert und anschaulich wie Choirokoitía. Seit 1999 steht es auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe.

Einerseits können sich die Wissenschaftler bereits ein gutes Bild vom Leben der Steinzeitmenschen machen, andererseits wirft die Stätte noch sehr viele Fragen auf. Beeindruckend ist, dass die Menschen bereits Tiere wie Schweine, Ziegen und Schafe domestiziert hatten und ihre Knochen zur Weiterverarbeitung von Haushaltsgeräten nutzten. Zur gleichen Zeit ist für Europa bekannt, dass die Menschen noch in Höhlen oder allenfalls in Holzbauten lebten. Hier wohnte man in überdachten Rundbauten aus Lehmziegel mit Feuerstellen, Bänken und Tischen. Um die 60 Rundbauten konnten bisher gezählt werden, was die Wissenschaft darauf schließen ließ, dass ca. 400 Menschen hier lebten. Direkt am Eingang befinden sich originalgetreue Nachbildungen der Häuser zur Veranschaulichung. Gleichzeitig war die Ansiedlung strategisch gut durchdacht, denn: Erstens befindet sich die Siedlung auf einer Anhöhe, die es ermöglichte unwillkommene Feinde früh zu erspähen. Gleichzeitig bot der Hügel genügend Stein für den Häuserbau. Zweitens ist in unmittelbarer Nähe der Maronifluss, der die Wasserversorgung gewährleistete und drittens sicherte die Nähe zum Meer den Fischfang. Entdeckte Pfeilspitzen und Klingen aus Obsidian, einem Quarzstein, der auf Zypern nicht vorkommt und somit auf Handelsbeziehungen zu Ägypten und/oder Vorderasien schließen lässt, bezeugen, dass sich die Menschen außerdem von der Jagd ernährten.

Ein großes Rätsel geben die 26 Skelette, die man bisher unter den Lehmziegelbauten fand, auf. Wohlbedacht angeordnet knien die Toten und liegen auf der Seite. Einige der Erwachsenen- und Kinderkörper sind mit einem Stein beschwert, was auf eine rituelle Bestattung mit Verhinderung der Wiedergeburt deutet. Andere Interpretationsansätze beziehen sich auf Menschenopfer, da es ungewöhnlich bleibt, dass bei einer so großen Einwohnerzahl über die lange Zeit, die das Dorf existierte (um die 1800 Jahre), nicht mehr Skelette gefunden wurden. Die Toten haben zudem alle einen abgeflachten Hinterkopf, der anatomisch mithilfe von Brettern o. ä. forciert werden musste und sind nicht älter als 35 Jahre. Die ansehnlichsten Grabfunde befinden sich in Saal I im Archäologischen Museum Nikosia.