Festung Kyrénia

File 320Die Festung von Kyrénia in Nordzypern ist die beeindruckendste und besterhaltenste Burg der ganzen Insel, ein außergewöhnlicher Spielplatz sowohl für Kinder als auch Erwachsene, die ins dunkle Mittelalter eintauchen wollen. Seit etwa 900 Jahren erhebt sich die mächtige Burg am Eingang zum nicht minder beeindruckenden Hafen Kyrénias. Der fortifikatorische Ausbau des Hafens begann schon unter den Römern um einfallende Seevölker frühzeitig ausspähen und abwehren zu können. Guy Lusignan sowie zuletzt die Venezianer, die Zypern Ende des 15. Jh. übergeben bekommen hatten, ließen weitere Verstärkungsarbeiten der Burg durchführen, die zu ihrer heutigen Gestalt führten.

Im Inneren der Mauern bestand eine byzantinische Kirche des heiligen Georg aus dem 12. Jh. unter den Nachfolgern stets fort. Der gute Erhaltungszustand der gesamten Burg ist schließlich der venezianischen Kapitulation vor den Osmanen im Jahr 1571 zu verdanken. Die Briten nutzten die Burg zuletzt als Polizeischule mit Gefängnissen, in denen auch Freiheitskämpfer der EOKA festgehalten wurden.

Der Zugang befindet sich am venezianischen Tor und führt zunächst zum Exerzierplatz, vorbei am Sarkophag des osmanischen Admirals Sadik Pasa, unter dessen Flotte Kyrénia erobert wurde. Den Exerzierplatz umgeben Wachstuben, Ställe und Wohnräume sowie Rampen, die zu den höher gelegenen Verteidigungsmauern führen. Treppen führen zu den adligen Gemächern der Lusignans in den Obergeschossen. In den Tiefen der Burg stoßen Sie auf dunkle Verliese, Kerker, Lagerräume und Schießpulver-Magazine, in denen das Pulver trocken, sauber und vor allem schnell griffbereit lagern konnte. So wie es die Erbauer einst zur Abwehr erdachten, hat man heute einen weitreichenden Blick über das Meer, wenn man die Zinnen erklimmt und auf den Mauern um die gesamte Burg läuft.

Das Schiffswrackmuseum ist ebenfalls in die Burg integriert (Mo-Sa 8-13 Uhr | 15-19 Uhr). Spannendstes Ausstellungsstück ist das Wrack eines antiken Transportschiffes, das von Piraten im 3. Jh. v. Chr. wenige Kilometer vor der Küste versenkt und 1965 auf dem Meeresboden durch Taucher wieder entdeckt wurde. Das Schiff transportierte über 400 Amphoren mit Wein, Öl und Mandeln sowie Salzfässer und Mühlensteine aus Rhodos und Kos. Von den persönlichen Gegenständen der Besatzung, die wahrscheinlich von den Piraten als Sklaven verkauft wurde, fand man noch einige Bronzemünzen, Teller, Becher, Löffel und Öllämpchen. Neben dem Schiffswrackmuseum ist ein kleines archäologisches Museum untergebracht, das den archäologischen Reichtum Nordzyperns in detailgetreuen Nachbildungen der Fundorte sehr ausdrucksvoll und interessant wiedergibt.