Kloster Bellapais

File 329Das Kloster Bellapaís liegt wenige Kilometer südöstlich der Küstenstadt Kyrénia im türkischen Norden Zyperns. Es wurde in den Fels gebaut und ist durch den Höhenunterschied von 30 m eine monumentale, prächtige Erscheinung, die nachts illuminiert wird. Außerdem ist es die Hauptattraktion des malerischen Dorfes Bellapais, das in den 1950er Jahren auch die Heimat des britischen Schriftstellers Lawrence Durrell war, der bekannt für den Roman „Bittere Limonen“ wurde. Darin setzt er sich mit den gewaltätigen Kämpfen zwischen Nord- und Südzyprioten auseinander.

File 440Die Abtei wurde um 1205 von Augustinermönchen gegründet und besticht mit ihren gotischen Architekturelementen, die auf die klassische gotische Bauweise im Norden Frankreichs verweisen. Im Durchgang zum Speisesaal erinnert das Wappen der Lusignans an die Stifter des Klosters, die das Gotteshaus mit dem Namen Abbaye de la paix (Friedenskloster) dem Augustiner-Orden übergaben. Erst durch die Venezianer im 15. Jh. wurde der Name verkürzt zu Bellapais. In der Mitte des 13. Jh. übergab der Normannefürst Roger dem Kloster ein Fragment des heiligen Kreuzes, um für sich und seine Gattin ewiges Seelenheil zu erlangen. Die Abtei profitierte auch von der Großzügigkeit Hugh III., der den Äbten das Privileg des Tragens einer Mitra, eines vergoldeten Schwertes und vergoldeter Sporen beim Reiten erteilte. Dank all dieser frommen Wohltäter wuchs der Reichtum und die Bedeutung des Klosters, das dadurch oft in Konkurrenz zum Erzbischof von Nikosía stand und der Papst nicht selten bei Meinungsverschiedenheiten eingreifen mußte.

File 449Mit dem Einfall der Osmanen um 1570 verlor Bellapais seine weitreichende Bedeutung, wurde der orthodoxen Kirche übergeben und entwickelte sich zur Pfarrkirche des Dorfes. Reiseerzählungen aus dem 18. Jh. berichten schließlich von einem monumentalen und wunderschönen Bau, der leider verlassen ist und immer mehr dem Verfall erliegt. Unter britischer Herrschaft wurde das Bauensemble für militärische Zwecke entfremdet. Zu Beginn des 20. Jh. wurden letztendlich Wissenschaftler auf die Ruine aufmerksam und begannen mit den Restaurierungsarbeiten.

File 509Wenn Sie den Haupteingang an der Südseite passieren, kommen Sie zunächst in eine palmengesäumte Allee, die dem nordeuropäischen Klosterbau einen Hauch von Exotik verleiht. Zwischen den Bogenruinen sind hochwachsende Zypressen gepflanzt worden. Das Klosterareal umfasst eine Kirche mit pittoreskem Glockenturm, das sehr gut erhaltene Refektorium (= Speisesaal) an der Nordseite des Kreuzgangs, das Dormitorium (= Schlafsaal) und Lagerräume. Die Gebäude flankieren einen grün bepflanzten Innenhof. Das Refektorium diente im 19. Jh. der britischen Armee als Schießübungsraum, wovon noch einige Schußlöcher in den Wänden zeugen. Heute wird der großzügige Saal für Konzerte und Vorträge genutzt und bildet das Herzstück beim populären, jährlich stattfindenden Musikfestival von Bellapais Ende Mai bis Anfang Juni. Gleichzeitig hat man eine wundervolle Aussicht durch die hohen Fenster über die hügelige Landschaft bis hin zum Meer.