Mórfou

File 377Die im türkischen Norden liegende Stadt Mórfou, die von den hier lebenden Türken nach der Teilung zügig in das türkische Güzelyurt umgetauft wurde, war in den vergangenen Jahrhunderten das fruchtbarste und ertragreichste Gebiet für den Anbau von Zitrusfrüchten und deren Export. Die Zitronen- und Orangenplantagen rund um die Ebenen des Akaki-Flusses erstrecken sich bis an die Küste. Seit der Teilung 1974 ist diese Region immerfort Streitpunkt der griechisch-türkischen Inselverwaltung, denn einige Felder sind noch immer Eigentum griechischer Zyprioten, die damals in den Süden geflüchtet sind. Weiterhin wird fleißig angebaut und geerntet, doch sieht man auch einige brachliegende Felder, die mangels Pflege des Bewässerungssystems immer mehr verfallen.

Die Zitrusfrucht ist trotzdessen nach wie vor die Hauptattraktion des Ortes. Den Glanz ihrer Vergangenheit verraten die alten Lager- und Verarbeitungshallen am Rande der Stadt. Eine Eisenbahnlinie, die die Früchte einst über Nikosia nach Famagusta transportierte um von dort aus nach Übersee verschifft zu werden, ist seit den 1930er Jahren stillgelegt. Dazu gehört eine beeindruckende Lokomotive des damals weltweit größten Eisenbahnherstellers Baldwin aus Philadelphia aus dem Jahre 1925, die im angrenzenden Stadtpark Belediye-Parki zu bestaunen ist.

Mórfou selbst verfügt über kleine, enge Gassen mit Geschäften, Cafés und einer schönen Markthalle, in der sich ebenfalls alles um die Zitrusfrüchte zu drehen scheint. Am Hauptplatz stehen sich die schlichte Arab-Ahmet-Pasa-Moschee und die Klosterkirche Àgios Mámas aus dem 18. Jh. gegenüber (Mo-Sa 8-17 Uhr | Mai-Oktober 8-19 Uhr). Im Inneren der Kirche befindet sich der Sarkophag des heiligen Mámas sowie Wandmalereien, die von Taten und Leiden des im 3. Jh. n. Chr. lebenden Märtyrers berichten. Auf Zypern hat er seit dem Mittelalter eine wichtige Stellung als Schutzheiliger der Hirten und Herden.

In der Nähe befindet sich das Archäologische Museum, das mit einem naturhistorischen Ausstellungsteil in Form unzähliger ausgestopfter Tiere beginnt. Im Obergeschoss werden Grabungsfunde von der Bronzezeit bis zur byzantinischen Zeit präsentiert. Ein besonderes Exponat ist die Statuette der Artemis von Ephesos, eine vielbrüstige Muttergottheit, die für Fruchtbarkeit stand. Für vorsaisonale Zypernbucher empfiehlt sich das große Orangen-Festival in der zweiten Maihälfte in Mórfou, bei dem eine Woche lang festlich auf den Putz gehauen wird.