Nikosía

File 380Die einzige Stadt Zyperns, die sowohl von den türkischen als auch den griechischen Zyprioten bewohnt und verwaltet wird, ist Nikosia. Die „Green Line“ verläuft mitten durch die Stadt, jedoch dürfen die Bewohner die Grenze mittlerweile problemlos übertreten, so suchen die Nordzyprioten im Süden Arbeit und die Zyprioten des Südens besuchen gerne die wilden und schroffen Küstenabschnitte des Nordens. Nikosia ist seit dem 13. Jh. Zyperns Hauptstadt und wurde dementsprechend städtebaulich stets gefördert.

File 506Die Lusignans ernannten Nikosia zuerst zu ihrem königlichen Amtssitz, zur gleichen Zeit hatte auch der katholisch-römische Bischof hier seinen Sitz und es entstanden über 250 Kirchen, reichlich Adelspaläste und eine luxuriöse Königsresidenz. Gegen Ende des 15. Jh. wurde die Insel den Venezianern übergeben, die in den nächsten knapp 100 Jahren Nikosia weiter prächtig ausbauten. Unter ihnen entstand die beinah kreisrunde Stadtmauer, die noch heute Nikosias Altstadt umschließt. Der knapp 5 km lange Mauerring war seinerzeit eine technologische Meisterleistung: Elf Bastionen mit pfeilspitzenförmigem Grundriss flankieren in gleichmässigem Abstand die dicken und schräg gestellten Schutzmauern. Die Bastionen tragen noch heute die Namen reicher, venezianischer Adelsfamilien, deren Geld den Ausbau des Festungswalls sicherte. Ein tiefer Wassergraben, der aus dem Fluss Pediéos gespeist wurde, sollte fremde Angriffe zusätzlich vereiteln. Um eine bessere Sicht zu gewährleisten, wurde die umgebende Landschaft eingeebnet, darunter fiel auch der Abriss von mittalterlichen Bauten wie dem Königspalast und den Grabkapellen der Lusignans.

File 515Heute ist der Wassergraben trockengelegt und hat sich zum Freizeitring mit Grünanlagen, Sport- und Spielplätzen für die Bewohner und Urlauber etabliert. Seit den 1990er Jahren werden Restaurierungsarbeiten der Altstadt und ganzer Stadtviertel sowohl im Süden als auch im Norden Nikosias von der EU finanziell unterstützt. So erblühte in den letzten zwei Jahrzehnten die Altstadt wieder zu einem hübschen historischen Zentrum mit Cafés, Tavernen, kleinen Kunstwerkstätten mit den typisch zypriotischen Silberarbeiten, Stickereien und Korbwaren, Antiquariate und Souvenir- und Buchläden. Zwei schöne und belebte Einkaufsstraßen mit Boutiquen, Schuh- und Bekleidungsgeschäften sind die Lídras Street und die Onasagorou Street. Die Stadt ist mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten unmöglich an einem einzigen Tag ausreichend erkundet, zumal man auch einen kurzen Ausflug in den zwar viel ärmeren aber sehr interessanten und orientalisch anmutenden Norden machen sollte. Dies gelingt am besten an dem kürzlich für Fussgänger geöffneten Grenzübergang in der Ledrastraße.