Städte & Regionen

File 98Zyperns Städte könnten unterschiedlich nicht sein. Einerseits bedingt dies selbstverständlich die 1974 geschehene Teilung der Insel in zwei weit von einander abweichende wirtschaftspolitische Systeme, die besonders im Bereich Tourismus zu unterschiedlichen Entwicklungen führte. So wird der klassische Urlaubsanspruch westlich geprägter Touristen im griechischen Süden schon lange hinreichend gut gewährt, während viele Regionen des türkisch besetzten Nordens infrastrukturell noch weit zurückstehen. Diese „Unzulänglichkeit“ weckt allerdings auch die Abenteuerlust und vor allem erfüllt sie die Träume vieler Reisender, die auf der Suche nach natürlich belassenen Landschaften und indigener Kultur sind.

File 263Dies finden sie vorzugsweise am nordöstlichsten Ausläufer Zyperns – der reich bewaldeten Region der Karpaz-Halbinsel. Hier können Urlauber ungestört wandern, mountainbiken, an einsamen Buchten relaxen und vor allem Pflanzen- und Tierarten entdecken, die andernorts auf der Welt längst ausgestorben sind. Hin und wieder trifft man auf ein gastfreundliches türkisches Dorf aber auch auf steinerne Schätze wie neolithische Siedlungen, byzantinische Klöster, mittelalterliche Kirchenruinen oder arabische Badehäuser, die von Abschnitten einer glorreichen Vergangenheit berichten. Der Reichtum an endemischer Flora und Fauna wird auf Zypern nur noch von der Region der Ákamas-Halbinsel im Westen getoppt. Neben fantastischen Küstenabschnitten existieren hier über 500 verschiedene Pflanzenarten, mehrere Säugetier-, Amphibien- und Insektenarten sowie sehr interessant angelegte Lehrpfade.

File 428Weite Felder von Zitronen- und Orangenhainen prägen die Landschaft um das türkische Mórfou (Güzelyurt) an der Nordwestküste, wo einer der wenigen Flüsse Zyperns, der Akaki mit seinen Ebenen fruchtbares und leicht zu bewässerndes Land bietet, so dass diese Region in der Vergangenheit zum Exportmeister für Zitrusfrüchte auf der Insel wurde. Die türkischen Küstenstädte Famagusta und Kyrénia sind ein Märchenland für historisch Interessierte – malerisch und charmant ragen mittelalterliche Kirchentürme, monumentale Festungsburgen zusammen mit Überbleibsel britisch-kolonial geprägter Bauten des 19. Jh. und türkischer Moscheen inmitten reichlich grüner Landschaft in den Himmel auf.

File 443Eine weitere Divergenz zypriotischer Städte ist deren Lage an der Küste, wo die meisten Metropolen schon seit der Antike entstanden, und deren Lage im Landesinneren, das mit seinen Ausläufern des Tróodos-Gebirges in den Sommermonaten ein angenehmes, frisches Klima bietet. Pafós, Polís, Lárnaka, Agia Nápa und Limassol sind griechische Küstenstädte mit herrlichen Stränden und Promenaden, teilweise eng bebaut mit Hotelanlagen wie in den beliebtesten Städten Lárnaca, Limassol und der Partyhochburg Ágia Nápa auf der Akámas-Halbinsel. Teilweise aber auch noch von Idylle und Ruhe geprägt ohne auf eine touristische Infrastruktur verzichten zu müssen wie es die Urlaubsorte Pafós und Polís noch bieten.

Ideal für Ausflüge aber auch optimal für längere Übernachtungen geeignet sind die Bergstädtchen Ómodos, Tróodos, Léfkara und Kakopetriá im Landesinneren rund um den höchsten Berg Zyperns, den Olympos. Nicht nur das Sie hier im Winter sogar Skifahren können, sondern vor allem die traditionelle Handwerkskunst wie die berühmten Hohlsaumstickereiarbeiten von Léfkara, die Weinverkostungen von Ómodos und die hübsch restaurierten Ortskerne aller dieser Bergstädtchen, die staatlich finanziert wurden, machen einen Aufenthalt vollkommen.

Nikosía, die geteilte Stadt, stellt die nahe Vergangenheit der Insel am deutlichsten zur Schau – mitten durch die Stadt verläuft die „Green Line“ und wird von den von der UN eingesetzten Blauhelmen bewacht. Die Begegnungen beider Republiken werden indessen immer lockerer, dies äußert sich vor allem an den sukzessive wachsenden Grenzposten in der Stadt, von denen einige per Auto und einige zu Fuss überquerbar sind. Zudem werden sowohl der griechisch als auch der türkisch verwaltete Teil Nikosias zunehmend öffentlich gefördert, so dass ganze Stadtteile wieder in ihrem historischen Glanz erstrahlen. Um Zypern im Ganzen zu erleben und zu verstehen, sollten beide Inselteile besucht werden. Nikosia kann dieses Erlebnis an einem einzigen Tag bieten, dennoch lohnt es sich sehr den „wilden“ Norden länger zu bereisen und die ganz andere Landschaft mit seinen zerklüfteten Küsten, spärlich bewohnten Landstrichen und den orientalisch anmutenden Städten kennenzulernen.