Villa des H. Kornesios

File 347Dieser kleine aber sehr aufwendige und fürstliche Häuserkomplex entstand um 1793 und war das Zuhause des Herrn Hadjigeorgakis Kornesios, der 30 Jahre lang von 1779-1809 das Amt eines christlichen Dragomans innehatte. Es bildet heute eines der wichtigsten und besterhaltensten Beispiele für städtische Architektur unter der osmanischen Herrschaft auf Zypern. Innerhalb der venezianischen Stadtmauer von Nikosia liegt es ganz in der Nähe des Erzbischöflichen Palais und der Kirche San Antonio in der Patriárchou Grigorìou Straße und wird nun als Ethnologisches Museum geführt (Öffnungszeiten Mo-Fr 8-15 | Sa 9-13Uhr).

Die Nähe zum Palais, dem Sitz der mächtigsten Verwaltungsämter mit höchstem Ansehen, zeigt, welch bedeutende Position auch Kornesios begleitete. Der Titel Dragoman kommt aus dem arabischen und bezeichnet einen Dolmetscher im Dienste des osmanischen Sultans, ein sehr prestigeträchtiges Amt, das zu jener Zeit in der Levante häufig gebraucht wurde und seinem Inhaber zu sehr viel Reichtum verhalf. Zumeist waren es Griechen, die zwischen den Christen und den Osmanen bzw. zwischen den europäischen Sprachen und denen des arabischen und türkischen vermittelten.

Vorzugsweise war seine Arbeit die Gewährleistung von Steuereinnahmen, gleichzeitig konnte er aber auch Anliegen der zypriotischen Christen direkt an den Sultan weitergeben. Die Macht und der Reichtum, den Kornesios erreichte, zog allerdings auch Neider an. Zu hohe Steuerbelastungen führten 1804 zu Aufständen, bei denen auch seine Stadtvilla geplündert wurde. Er selbst war schon längst in Istanbul, wo er den Sultan um Unterstützung gegen die Aufständischen bat. Weitere fünf Jahre verbrachte er am dortigen Hof, verwickelte sich in Intrigenspiele, machte sich mächtige Feinde und wurde schließlich um 1809 in Istanbul enthauptet. Sein Monogramm und das Entstehungsjahr der Villa sind auf einer Marmortafel im Eingangsbereich festgehalten.

Der Grundriss des Sandsteinbaus bezeichnet ein griechisches Δ, im Zentrum befindet sich ein Garten mit Brunnen und ein Hamam, das private Badehaus des Kornesios. Im Erdgeschoss des Wohnhauses befanden sich die Küche und die Räume der Dienerschaft. Der Empfangsraum und die Wohnbereiche des Besitzers waren im ersten Stock, darunter ist der offizielle Empfangsraum im Ostflügel der prächtigste mit geschnitzter, vergoldeter und bemalter Dekoration und gleicht denen, die im Osmanischen Reich für Sultane errichtet wurden. Das Mobiliar und die Einrichtung ist nicht die originale des Kornesios, stammt aus dem 19. Jh. und wurde von dessen damaligen Besitzer gespendet. Die Stadtvilla wurde bereits 1982 mit dem Europa-Nostra-Preis für hervorragende Restaurierungsarbeiten ausgezeichnet und bildet als Museum ein sehr interessantes Schmuckstück in Nikosia.