Erzbischöfliches Palais Nikosía

File 314Der Palast des Erzbischofs im alten Stadtzentrum von Nikosia ist Hauptsitz der orthodoxen Kirche Zyperns, ein luxuriös ausgestatteter Bau, der den Reichtum und die Macht der orthodoxen Geistlichen symbolisiert. Erster Erzbischof und gleichzeitig erster Präsident der jungen Republik Zyperns, der in diesem Palast residierte, war Mákarios III. Eine weit überlebensgroße Ehrenstatue (ca. 7 m hoch) aus schwarzem Stein im Vorgarten erinnert an ihn. Der Palast ist ein junges Gebäude, das erst in den 1960er Jahren entstand, in seiner Architektur allerdings die venezianische Baukunst nachahmt. Im Schlafzimmer des Mákarios III. wird noch immer sein Herz in einem Spezialbehälter aufbewahrt. Die Wohnräume können leider nur zu bestimmten offiziellen Anlässen besichtigt werden.

Das Areal des erzbischöflichen Palastes umfasst weiterhin das Ikonenmuseum, das eine der bedeutsamsten Ikonensammlung weltweit hat. Durch die chronologische Anordnung vom 8. - 18. Jh. kann man sehr schön die Entwicklung zu realistischeren Darstellung der Heiligen beobachten. Außerdem gibt es hier ein Volkskundemuseum, welches sehr interessante Alltags-Exponate aus dem 19. und 20. Jh. zeigt. Es wurde 1950 gegründet, sein Bau ist allerdings viel älter und ruht auf den Mauern eines ehemaligen Klosters aus dem 15. Jh, wovon noch Teile des alten Kreuzganges und kleine Mönchszellen zu sehen sind. Von 1730 bis zum Umzug in den neuen erzbischöflichen Palast residierte hier der Erzbischof. Zu den imposantesten Stücken des heutigen Volkskundemuseums gehören Webstühle, eine Wassermühle, geschnitzte Truhen und handgewebte Trachten. Ein Raum ist komplett im traditionellen Stil zypriotischer Wohnweise des 19. Jh. eingerichtet (Mo-Fr 9-14 Uhr).

Das Museum des Nationalen Kampfes in einem Seitenflügel des Erzbischöflichen Palastes beschäftigt sich mit dem Freiheitskampf der EOKA um 1955–1959 gegen das britische Regime und dokumentiert diese grausamen Zeiten u. a. mit Fotos, Zeitungsberichten, Waffen, Modellen selbst gebastelter Bomben und einem Galgen (Mo-Fr 8-17 Uhr).

Den größten Teil des Areals nimmt das Kulturzentrum mit Bibliothek „Erzbischof Mákarios III.“ ein. Nach dem Tod des zypriotischen Freiheitskämpfers 1977 wurde dieser Bau nach ihm benannt, gleichzeitig ging er auch früher hier zur Schule. Teil dieses Kulturzentrums ist die Galerie für Byzantinische Kunst, in der ebenfalls eine schöne und aufwendige Sammlung an Ikonen vom 9. - 18. Jh. zu bestaunen ist (Mo-Fr 9-16:30 | Sa 9-13 Uhr).

Die Kathedrale des Johannes, ein unscheinbarer Bau mit äußerst prächtig ausgestattetem Innenraum liegt direkt neben dem Erzbischöflichen Palais und ist zur Sonntagsmesse geöffnet (Besichtigungen Mo-Sa 8-12 | 14-16 Uhr). Früher stand hier ein Benediktinerkloster, auf dessen Fundamenten um 1662 die Kirche entstand. Um 1730 ist sie zur Kathedrale, also zum Bischofssitz ernannt worden und erhielt in diesem Zuge post-byzantinische Malereien mit typischen Themen byzantinischer Wandmalerei wie Christus als Pantokrator in der zentralen Kuppel und Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament. Eine weitere und kaum zu übersehende Attraktion hier ist die mächtige mit Blattgold überzogene Ikonostase.